Verlieren wir keine Zeit mit der Farbe und anderen visuellen Aspekten dieses Weines. Die Wahrheit, dass „Wein zum Trinken und nicht zum Ansehen geschaffen wurde“, trifft seit jeher auf diese Cuvée zu, hergestellt hauptsächlich aus Carignan-Trauben, zu gleichen Anteilen assistiert von Syrah und Cinsault und unterstützt von etwas Grenache und Mourvèdre.
Ein echter Südfranzose, der übrigens niemals versucht hat, um jeden Preis zu gefallen, der aber schon immer gefiel, und zwar wegen seines Geschmacks (und auch ein wenig wegen seines geringen Preises...). Ein verführerischer Bauer, ehrlich, einfach und sympathisch.
Die Nase des Jahrgangs 2011 ist reichhaltig und voller schwarzer Früchte, Eichenholz, Röst- und Raucharomen, sowie warmen Waldboden. Kräftig und rund, unterstützt von frischer Säure, mit angenehmen, weichen Tanninen. Relativ lang im Abgang, mit frischen Früchten, eingelegten Früchten und einigen Gewürzen.
Ein einfacher Wein – einfach zu kombinieren mit diversen Rezepten der alltäglichen Küche, einfach Freunden vorzustellen, einfach zu öffnen, einfach zu trinken, einfach zu mögen...
Rebsortenparadies Languedoc - Unsere Grosseltern waren auch nicht dümmer als wir
Pierre Cros übernahm in den achtziger Jahren die von Carignan beherrschten Weinberge seiner Grosseltern im Minervois in der Nähe der mittelalterlichen Stadt Carcassonne und pflanzte hauptsächlich Grenache und Syrah hinzu. Und obwohl sich seine Weine aufs beste entwickelten und sich bald vor allem international einen Namen machten, fehlte ihm etwas Wesentliches in dieser modernen Weinwelt.
Ende der neunziger Jahre besann er sich auf das Erbe der Alten, wie er selber sagt, und kaufte einige alte Rebgärten auf, die sonst der regionalen Weinpolitik zum Opfer gefallen und verschwunden wären. Bestückt waren diese teils hundertjährigen Weinberge mit alten, fast vergessenen, vor allem aber verpönten Rebsorten des Südens: Carignan, Aramon, Picpoul noir, Alicante... Pierre pflegte und hegte die Pflanzen und schuf aus ihren Früchten, entgegen dem Willen der Behörden und Weinbauverbände, einen ganz besonderen Wein, den er Les Mal Aimés (die Ungeliebten) taufte. Jenseits des über-fruchtigen Geschmacks, der die heutige Weinwelt zu beherrschen scheint, präsentieren sich die alten Hasen mit erstaunlicher Frische, Sauerkrischen, Kräutern und röstiger Würze, und man fragt sich beim Trinken dieses erholsam aufrichtigen Weines, ob dieses nicht der Geschmack von damals sei.
„Unsere Grosseltern waren auch nicht dümmer als wir“, sagt Pierre, „und wussten sehr wohl, welche Rebsorten sich im mediterranen Klima wohlfühlen.“
In Frühjahr hat Pierre Cros, dieses Mal in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer, einen neuen Weinberg gepflanzt: Aramon, Picpoul noir, Aspiran – die Alten bekommen eine neue Chance. Aber Pierre schaut keineswegs nur in die Vergangenheit, sondern hat auch eine Leidenschaft für Experimente. Seit einigen Jahren wachsen bei ihm im steinigen Boden des Minervois auch Pinot noir, Nebbiolo und Touriga Nacional, die er aus dem Burgund, Barolo und dem Douro in seine Heimat geholt hat, alleine aus Lust an der Freiheit das anzubauen, was ihm schmeckt.
Der Californian Way of Wine
Als ebenfalls in den achtziger Jahren die Brüder Teisserenc nördlich von Pezenas die Domaine de l’Arjolle schufen, erfreuten sie sich der reichhaltigen Rebsortenwahl, die ihnen der gesetzliche Rahmen der Vin de Pays des Côtes de Thôngue bot. Aus Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot und Grenache, aber auch Chardonnay, Muscat, Viognier und Sauvignon Blanc schaffen sie heute eine reichhaltige Weinpalette, die von fruchtigen und sommerlichen Weißweinen, bis zu vollmundigen Rotweinen mit hohem Alterungspotential reicht, und sich sogar einer süßen Muskat-Spätlese und eines knackfrischen Winzersekts erfreut.
Von einer seiner ersten Reisen durch die kalifornischen Weinberge brachte Louis-Marie eine Liebe zum roten Zinfandel mit, schaffte es, die französischen Behörden zu überreden und pflanzte Mitte der neunziger Jahre den ersten und bisher einzigen Hektar Zinfandel Frankreichs an. Wucht und Würze, und ein eleganter Gaumenschmeichler, genau das richtige für lange Winterabende und feine Speisen.
Wenn es in Frankreich ein Paradies für Rebsorten gibt, so befindet sich dieses sicherlich im Süden des Landes, genauer gesagt im Languedoc. Die Geschichte der Weinkultur ist alt in dieser Region, begann sie doch schon vor etwa 2500 Jahren als die Griechen ihre ersten Kolonien an der Küste gründeten, wie etwa im heutigen Agde. Eine Geschichte also, wie es sich für eine anständige Weinbauregion der alten Welt gehört.
Wirklich interessant wurde es aber erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Reblaus aus dem Norden Amerikas nach Europa gelangte, und wie die Barbaren im Weinberg hauste. Ein trauriger Anfang der interessanten Neuzeit, denn das Languedoc verlor fast vollständig seine ursprünglichen Weinberge und musste die Landschaft mit aufgepfropften und dadurch reblausresistenten Reben neu bestücken. Die restliche Geschichte erspare ich Ihnen, denn im Laufe des folgenden Jahrhunderts pendelte die Region in atemberaubendem Rhythmus zwischen goldenen Jahren und Weinkrisen, großem Reichtum und bitterer Armut hin und her, bis der Staat und schließlich auch Europa eingriff.
Seitdem hat das Languedoc zwar wesentliche Teile seiner Rebflächen verloren, vor allem aber ist es zu einer der interessantesten und dynamischsten Regionen Frankreichs geworden, zumindest was den Weinbau und die Vielfalt der Rebsorten betrifft. Denn in der verschwenderisch schönen mediterranen Landschaft wurzelt heute fast alles, was in Frankreich und der restlichen Weinwelt Rang und Namen hat. Syrah und Grenache natürlich, die zusammen mit Mourvèdre, Carignan und Cinsault das Rückgrat der klassischen Moderne bilden. Cabernet Sauvignon, Merlot und Sauvignon blanc aus dem Bordeaux, Viognier von der Rhône und Chenin von der Loire sind solide Bausteine vieler Vin de Pays, während sich Chardonnay und Pinot noir bzw. Spätburgunder gut in höheren oder kühleren Lagen entwickeln.
Dazu gibt es noch einige kuriose Kreuzungen aus den sechziger Jahren, wie etwa der sich wachsender Beliebtheit erfreuende Marsellan (aus Grenache und Cabernet Sauvignon), oder der Portan, welcher spanischen Grenache und deutschen Portugieser in sich vereint.
Carignan und Aramon feiern einen „Indian Summer“ im Minervois
Zum ersten internationalen Carignan Day am 29. Februar hatte Pierre Cros einige alte Jahrgänge seines reinen Carignans aus dem Keller geholt und eine „vertikale“ Weinprobe von 1999 bis heute organisiert. Wenn einige Jahrgänge wie 2002, 2007, 2009 und 2010, mir auch recht vertraut sind, so war ich doch neugierig, wie sich die ältesten Weine wohl präsentieren würden. Nach gewissenhafter Vorbereitung der Weine, die Flaschen wurden 4 Stunden vor der Verkostung bei einer gleichmäßigen Temperatur von 16°C geöffnet, konnte ich die Weine zusammen mit einigen Freunden der Domaine Cros und zwei passionierten Wein-Journalisten vom Jahrgang 1999 aufwärts verkosten.
CarignanDay Pierre Cros
Einige, sehr viel schneller als ich, haben schon über diese Verkostung und ihre Vorlieben geschrieben (2000, 2002, 2004, 2005 und 2010 für Michel S. , 1999 und 2007 für André D. ).
Nach einigen Monaten der Überlegung finden Sie hier unter nun meine eigenen Eindrücke. Damit ich Sie nicht in 13 Jahrgängen endloser Weinpoesie verliere, sollen einige Stichwort ausreichen, um die Weine zu beschreiben, es sei denn, es dürstet mich nach mehr.
2011 cremig, schmackhaft, lebhaft
2010 noch jung, fruchtig, wenig Gerbsäure, frisch, Zitrone
2009 sehr reif, voll, tolle Tanninstruktur, geradlinig, zum reinbeißen
2008 sehr fruchtig, reichhaltig, vollmundig, dicht
2007 Butter, fettig, sanft, großzügig
2006 frisch, noch jung, geräumig, strukturiert
CarignanDay Pierre Cros
2005 Dieser Wein vermittelt einen erstaunlichen Eindruck von Jugend und Frische mit angenehmen, fein strukturierten Tanninen. Der Wein entwickelt sich mit angenehmer Langsamkeit und scheint noch einige Jahre vor sich zu haben. Großartig zu gerösteter Entenbrust, umwerfend zu einem Cassoulet.
2004 Honigkuchen, Chili, geschmeidig, samtig... etwas exotische Eindrücke. Jetzt trinken oder in den nächsten drei Jahre.
2003 schmelzig, vollmundig, recht generös mit angenehmer Wärme (aber sehr viel weniger, als man bei diesem heißen Jahrgang erwartet hätte), schönes Tannin
2002 Gewürze, Karamell, seidig – ein sehr schöner, zehn Jahre alter Wein! Wer hätte das zur Erntezeit damals erwartet? Vielleicht ein weiterer Beweis dafür, dass der Weinberg den Wein macht, in diesem Falle eine echte Dame, damals im statthaften Alter von 97 Jahren. Sie scheint sich von unfreundlichen Wetterbedingungen nicht beeindrucken zu lassen und hat ihre Trauben angemessen strukturiert und gewürzt, trotz der sintfluthaften Regenfälle des Jahres 2002.
1999 weniger Frucht, aber sehr viel Eleganz. Ein geradliniger Wein, gehaltvoll, mineralisch und erdig – warme, frisch gepflügte Erde im Herbst. Ein Bitterschokoladen-Wein, ein Zigarren-Wein, ein Kamin-Wein. Sehr intim...
Erster Carignan-Day – Ein Artikel von Andre Domine, Weinwirtschaft 7/12
Die Idee dazu stammt von einem Deutschen, dem Oenologen Sebastian Nickel, der in Montpellier studierte und dort die Agentur VinParleur betreibt (www.vinparleur.net). Er setzte den 29. Februar als Datum fest und rief Carignan-Erzeuger in Badens im Miner- vois zusammen und zwar auf der Domaine Pierre Cros. Cros selbst füllt seit 1997 einen sortenreinen Carignan aus einer 1905 gepflanzten Parzelle ab und bot eine Vertikale seines Minervois Vieilles Vignes von 1999 bis 2011.
Carignanday Pierre Cros
Immer vorwiegend in Kohlensäuremaischung vergoren und in älteren Fässern ausgebaut, bewies die Sorte ihr beachtliches Alterungspotenzial, denn 1999 war neben dem aussichtsreichen 2007 der reizvollste Wein. […]
Carignanday Weinwirtschaft 7-12
Acht weitere Winzer stellten ihre Carignans vor. […] Das Roussillon war durch den Journalisten und passionierten Carignan-Verteidiger Michel Smith vertreten (www.les5duvin.com). Mit fünf Freunden rettete er einen Hektar alten Carignan bei Tresserre. Daraus gewinnt er Puch, eine eigene Interpretation der Sorte, frisch, saftig, knackig, sehr anregend, und kühl zu trinken. Zum Ehrenpräsidenten des 2. Carignan Day ernannt, dürfte das Treffen 2013 an Bedeutung gewinnen. Schon jetzt war faszinierend zu probieren, welch unterschiedliche Weine Carignan ergeben kann, darunter Rote von erstaunlicher Klasse.
ReifeKirsche, in der Farbe, wie in der Nase, aberauchJohannisbeeren, HolunderundZitronenschale…AngenehmimMund, garkomfortabel, mit AromenvonSteinobst, schwarzen Oliven und frischem Rosmarin. Einige weiche Tannine lassen sich von knackiger, saftiger Säure begleiten und geben dem Wein ein feines Gleichgewicht.
Ich selber bin diesem Wein zum ersten Mal im Jahrgang 99 begegnet. Hergestellt aus den heute fast verbotenen Früchten einiger sehr alter Reben des Minervois (angepflanzt zwischen 1910 und 1930) – Carignan, Alicante, Aramon und Picpoul noir – zeigten sich meine von internationalen Rebsorten (de)formierten Geschmackspapillen beim ersten Glas reichlich überrascht.
„Schmeckten so etwa die Weine des MIDI von früher ?“
Seitdem habe ich keinen einzigen Jahrgang der Mal Aimés ausgelassen. Gerne trinke ich ihn leicht gekühlt, im Frühjahr oder Sommer, aber ich erinnere mich noch sehr gut an einen verregneten Tag im November, als ich diesen Wein in der Karaffe zu einem Rindergeschnetzelten mit Steinpilzen servierte... undAromen weißen Pfeffers sich zu Oliven und Sauerkirschen gesellten, sowie Vollmundigkeit und Tiefgang zur saftigen Säure.
Ich empfehle Ihnen aufs Wärmste diesen Wein zu probieren, denn er ist für mich immer wieder eine angenehme Überraschung und ein erfreuliches Geschmackserlebnis, abseits bekannter Geschmackspfade standardisierter Weine.