Ich weiß, dass Rosé Wein inzwischen als vollwertiger Wein gilt und das ganze Jahr über auf Terrassen und in Restaurants frische Salate, Fischgerichte, Käse und exotische Speisen begleitet. Einige, „typische“ Rosés kann man jedoch nach wie vor als vollständige Sommerweine bezeichnen, die unsere Lust nach Sonne und Farniente nur noch verstärken.
Pierre Cros Minervois vin rosé
Die Cuvée „Tradition“ von Pierre Cros gehört dazu. Mit einem Handumschlag verführt er uns mit seiner sehr hellen und glänzenden Farbe und einem Duft voller roter Früchte, Bonbons, Pfirsich und einem Hauch von Tonkabohnen. Weich und frisch am Gaumen, mit einigen Rundungen und einer leichten Bitterkeit im Abgang, ein perfekter Begleiter für den Aperitif im Liegestuhl, zusammen mit ein paar Oliven und einem Stück Cantal Entre-Deux, einem vollen und würzigen Käse aus dem französischen Massif Central. Legen Sie sich entspannt zurück, der Sommer ist da!
Die Cuvée „Partouze“, eine gelungen Assemblage alter mediterraner Rebsorten (Picpoul, Rivairenc, Aramon, Morastel), zeigt sich mehr säurebetont und von Zitrusfruchtaromen dominiert. Ein lebhafter Rosé, den es zu gegrilltem Fisch und Muscheln hin zieht.
Alte Rebsorten, reifer Wein – Les Mal Aimés 2003 von Pierre Cros #Vinisud #Languedoc
Alte Weine trinken wir heutzutage immer seltener. So zeigte eine Studie des Wine Enthusiast im Jahre 2011 zum Beispiel folgendes Ergebnis: ‘Der Grossteil – 90% oder mehr – der in diesem Land (USA) gekauften Weine werden innerhalb der nächsten 48 Stunden getrunken.“ Zwar handelt es sich dabei um die USA, ein Land, dass sich von unseren kulinarischen Gewohnheiten leicht unterscheidet, aber eben nur leicht...
Auf jeden Fall ist die Vorfreude und die Spannung immer groß, bevor man eine alte, im Keller „vergessene“ Flasche öffnet. Um so mehr, wenn es sich um einen mit alten Rebsorten hergestellten Wein handelt, die vor nicht all zu langer Zeit noch als „unwürdig“ oder ganz einfach als „schlecht“ gehandelt wurden. Alte Rebsorten, die in dieser Cuvée Les Mal Aimés ihr „Können“ und ihre geschmacklichen Qualitäten schon seit über einem Jahrzehnt vorzeigen.
Wie erwartet, zeigt der Wein ein leichtes Depot, sowie eine helle und fast durchsichtige, von einem leichten Orange-Ton charakterisierte Farbe. Die Nase ist eher intensiv und komplex und duftet nach Pflaumen, Rauch und Kräutern, sowie nach einigen Gewürzen und Holunder. Samtig weich im Mund, mit knackiger Säure und leichter, seidiger Taninstruktur, die den Gaumen auskleidet. Großzügig und sommerlich, wie es sich für den Jahrgang 2003 gehört, klingt der Wein mit einem schmackhaften Kompott schwarzer Früchte aus. Ein echter „Verkostungswein“, den man spät in der Nacht in Stille genießen sollte...
Rebsortenparadies Languedoc - Unsere Grosseltern waren auch nicht dümmer als wir
Pierre Cros übernahm in den achtziger Jahren die von Carignan beherrschten Weinberge seiner Grosseltern im Minervois in der Nähe der mittelalterlichen Stadt Carcassonne und pflanzte hauptsächlich Grenache und Syrah hinzu. Und obwohl sich seine Weine aufs beste entwickelten und sich bald vor allem international einen Namen machten, fehlte ihm etwas Wesentliches in dieser modernen Weinwelt.
Ende der neunziger Jahre besann er sich auf das Erbe der Alten, wie er selber sagt, und kaufte einige alte Rebgärten auf, die sonst der regionalen Weinpolitik zum Opfer gefallen und verschwunden wären. Bestückt waren diese teils hundertjährigen Weinberge mit alten, fast vergessenen, vor allem aber verpönten Rebsorten des Südens: Carignan, Aramon, Picpoul noir, Alicante... Pierre pflegte und hegte die Pflanzen und schuf aus ihren Früchten, entgegen dem Willen der Behörden und Weinbauverbände, einen ganz besonderen Wein, den er Les Mal Aimés (die Ungeliebten) taufte. Jenseits des über-fruchtigen Geschmacks, der die heutige Weinwelt zu beherrschen scheint, präsentieren sich die alten Hasen mit erstaunlicher Frische, Sauerkrischen, Kräutern und röstiger Würze, und man fragt sich beim Trinken dieses erholsam aufrichtigen Weines, ob dieses nicht der Geschmack von damals sei.
„Unsere Grosseltern waren auch nicht dümmer als wir“, sagt Pierre, „und wussten sehr wohl, welche Rebsorten sich im mediterranen Klima wohlfühlen.“
In Frühjahr hat Pierre Cros, dieses Mal in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer, einen neuen Weinberg gepflanzt: Aramon, Picpoul noir, Aspiran – die Alten bekommen eine neue Chance. Aber Pierre schaut keineswegs nur in die Vergangenheit, sondern hat auch eine Leidenschaft für Experimente. Seit einigen Jahren wachsen bei ihm im steinigen Boden des Minervois auch Pinot noir, Nebbiolo und Touriga Nacional, die er aus dem Burgund, Barolo und dem Douro in seine Heimat geholt hat, alleine aus Lust an der Freiheit das anzubauen, was ihm schmeckt.
Der Californian Way of Wine
Als ebenfalls in den achtziger Jahren die Brüder Teisserenc nördlich von Pezenas die Domaine de l’Arjolle schufen, erfreuten sie sich der reichhaltigen Rebsortenwahl, die ihnen der gesetzliche Rahmen der Vin de Pays des Côtes de Thôngue bot. Aus Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot und Grenache, aber auch Chardonnay, Muscat, Viognier und Sauvignon Blanc schaffen sie heute eine reichhaltige Weinpalette, die von fruchtigen und sommerlichen Weißweinen, bis zu vollmundigen Rotweinen mit hohem Alterungspotential reicht, und sich sogar einer süßen Muskat-Spätlese und eines knackfrischen Winzersekts erfreut.
Von einer seiner ersten Reisen durch die kalifornischen Weinberge brachte Louis-Marie eine Liebe zum roten Zinfandel mit, schaffte es, die französischen Behörden zu überreden und pflanzte Mitte der neunziger Jahre den ersten und bisher einzigen Hektar Zinfandel Frankreichs an. Wucht und Würze, und ein eleganter Gaumenschmeichler, genau das richtige für lange Winterabende und feine Speisen.
Wenn es in Frankreich ein Paradies für Rebsorten gibt, so befindet sich dieses sicherlich im Süden des Landes, genauer gesagt im Languedoc. Die Geschichte der Weinkultur ist alt in dieser Region, begann sie doch schon vor etwa 2500 Jahren als die Griechen ihre ersten Kolonien an der Küste gründeten, wie etwa im heutigen Agde. Eine Geschichte also, wie es sich für eine anständige Weinbauregion der alten Welt gehört.
Wirklich interessant wurde es aber erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Reblaus aus dem Norden Amerikas nach Europa gelangte, und wie die Barbaren im Weinberg hauste. Ein trauriger Anfang der interessanten Neuzeit, denn das Languedoc verlor fast vollständig seine ursprünglichen Weinberge und musste die Landschaft mit aufgepfropften und dadurch reblausresistenten Reben neu bestücken. Die restliche Geschichte erspare ich Ihnen, denn im Laufe des folgenden Jahrhunderts pendelte die Region in atemberaubendem Rhythmus zwischen goldenen Jahren und Weinkrisen, großem Reichtum und bitterer Armut hin und her, bis der Staat und schließlich auch Europa eingriff.
Seitdem hat das Languedoc zwar wesentliche Teile seiner Rebflächen verloren, vor allem aber ist es zu einer der interessantesten und dynamischsten Regionen Frankreichs geworden, zumindest was den Weinbau und die Vielfalt der Rebsorten betrifft. Denn in der verschwenderisch schönen mediterranen Landschaft wurzelt heute fast alles, was in Frankreich und der restlichen Weinwelt Rang und Namen hat. Syrah und Grenache natürlich, die zusammen mit Mourvèdre, Carignan und Cinsault das Rückgrat der klassischen Moderne bilden. Cabernet Sauvignon, Merlot und Sauvignon blanc aus dem Bordeaux, Viognier von der Rhône und Chenin von der Loire sind solide Bausteine vieler Vin de Pays, während sich Chardonnay und Pinot noir bzw. Spätburgunder gut in höheren oder kühleren Lagen entwickeln.
Dazu gibt es noch einige kuriose Kreuzungen aus den sechziger Jahren, wie etwa der sich wachsender Beliebtheit erfreuende Marsellan (aus Grenache und Cabernet Sauvignon), oder der Portan, welcher spanischen Grenache und deutschen Portugieser in sich vereint.
Aramon, Picpoul noir, Aspiran... bei Pierre Cros werden alte Rebsorten neu angepflanzt
Aramon, Picpoul noir, Aspiran... die Rückkehr der alten Rebsorten!
Vor gut zehn Jahren wurde unter Schmerzen (ein Prozess von französischen Behörden, vor allem aber Hohn und Gelächter von verschiedenen Weinbauverbänden) die Cuvee Les Mal Aimés (die Ungeliebten) geboren, hergestellt aus alten, traditionellen Rebsorten aus dem Languedoc: Alicante, Aramon, Piquepoul noir, Carignan... Allesamt verbotene Früchte.
Heute, dank des Erwachens der Techniker der Chambre d’Agriculture (Landwirtschaftskammer), haben wir in sorgfältiger Arbeit das beste Holz dieser alten Rebsorten selektiert und einen jungen Weinberg aus Aramon, Piquepoul noir und Aspiran angepflanzt.
Welch eine süsse Rache für diese alten Reben! Die gleichen Reben, die man zu Gunsten der sogenannten „hochwertigen“ Rebsorten ausmerzen wollte, in unserer Region, in der mehr und mehr die „Ketzerei“ des internationalen Weinbaus herrscht, auf Kosten der Tradition und des kulturellen Weinerbes.
Welch süsse Rache auch für unsere „Alten“, die auch nicht „beknackter“ waren, als wir es sind, und schon annodazumal verstanden haben, dass auch diese Reben ihren Platz in unserem trockenen Terroir haben.
Und, nicht zuletzt, welch süsse Rache auch für mich... Bei uns hier unten muss man seiner Zeit nicht voraus sein, denn selbst wenn man ein „Vorläufer“ ist, so erinnert sich, wenn etwas in Mode kommt, keiner – und erstrecht nicht die Leute, die für uns entscheiden – daran, dass wir vor 10 Jahren schon das Gleiche gemacht haben...
Und deshalb lade ich sie am Samstag und Sonntag den 12. Und 13. Mai von 10 bis 22 Uhr zu mir ein. Verkosten und genießen Sie (vor Ort oder zuhause) den Käse (Cantal, Saint Nectaire) von meinem Freund Jean-Pierre, éleveur-fromagier auf der Ferme de Marcou, zusammen mit einem guten Glas Wein von alten und neuen Reben.
Um Reservierung wird gebeten (Käse, hausgemachte Wurst und Gegrilltes – 10€ pro Teller).
Verbotene Früchte schmecken am besten - Les Mal Aimés von Pierre Cros
ReifeKirsche, in der Farbe, wie in der Nase, aberauchJohannisbeeren, HolunderundZitronenschale…AngenehmimMund, garkomfortabel, mit AromenvonSteinobst, schwarzen Oliven und frischem Rosmarin. Einige weiche Tannine lassen sich von knackiger, saftiger Säure begleiten und geben dem Wein ein feines Gleichgewicht.
Ich selber bin diesem Wein zum ersten Mal im Jahrgang 99 begegnet. Hergestellt aus den heute fast verbotenen Früchten einiger sehr alter Reben des Minervois (angepflanzt zwischen 1910 und 1930) – Carignan, Alicante, Aramon und Picpoul noir – zeigten sich meine von internationalen Rebsorten (de)formierten Geschmackspapillen beim ersten Glas reichlich überrascht.
„Schmeckten so etwa die Weine des MIDI von früher ?“
Seitdem habe ich keinen einzigen Jahrgang der Mal Aimés ausgelassen. Gerne trinke ich ihn leicht gekühlt, im Frühjahr oder Sommer, aber ich erinnere mich noch sehr gut an einen verregneten Tag im November, als ich diesen Wein in der Karaffe zu einem Rindergeschnetzelten mit Steinpilzen servierte... undAromen weißen Pfeffers sich zu Oliven und Sauerkirschen gesellten, sowie Vollmundigkeit und Tiefgang zur saftigen Säure.
Ich empfehle Ihnen aufs Wärmste diesen Wein zu probieren, denn er ist für mich immer wieder eine angenehme Überraschung und ein erfreuliches Geschmackserlebnis, abseits bekannter Geschmackspfade standardisierter Weine.